Tagebuch eines Skandals
Notes on a Scandal
 

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Alle Bilder © 2006 Twentieth Century Fox

Regie: Richard Eyre
Darsteller: Judi Dench, Cate Blanchett, Tom Georgeson, Michael Maloney...
Drehbuch: Patrick Marber
Produzent: Robert Fox, Andrew Macdonald, Allon Reich, Scott Rudin
Musik: Philip Glass
Länge: 92 min.
Genre:
Drama
Produktion: UK - 2006
Kinostart: AT: 23.02.07
Verleih: Centfox
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Die Geschichtslehrerin Barbara Covett (Judi Dench) lehrt schon seit Jahren an einer staatlichen Schule und ist sowohl als Lehrerin als auch als Kollegin zwar nicht sonderlich beliebt, aber respektiert. Durch ihre bestimmte und strenge Art und vor allem durch ihre jahrelange Erfahrung im Unterricht von Kindern aus finanziell schlecht gestellten Familien hat sie sich einen gewissen Ruf erarbeitet. Sie lebt allein mit ihrer Katze Portia und schreibt Abend für Abend akribische Einträge in ihr Tagebuch. Eines Tages lernt sie die neue Zeichenlehrerin Sheeba Hart (Cate Blanchett) kennen - aus der anfänglichen Skepsis und Abneigung wird bald eine innige Freundschaft: Barbara lernt Sheebas Familie kennen, ihren Mann Richard, einem alternden Professor, ihre pubertierende Tochter und ihren 10-jährigen Sohn, der am Down Syndrom leidet. Doch eines Abends macht Barbara eine weitere Entdeckung: Sheeba hat ein Verhältnis zu einem ihrer Schüler. Als sie Sheeba mit ihrem Wissen um die Affäre konfrontiert, ringt sie ihr das Versprechen ab, die Liasion zu beenden, ansonsten würde Barbara es publik machen. Aus der Freundschaft wird Abhängigkeit, denn auch Barbara verfolgt ganz eigene Ziele...

Mit "Tagebuch eines Skandals" legt der vielgerühmte und ausgezeichnete englische Regisseur Richard Eyre seine neueste Regiearbeit vor, die vor allem durch zwei Dinge überzeugen kann: Den Anfang macht Judi Dench. Die Ausnahmeschauspielerin zeigt, dass sie neben "M" auch noch große Charakterrollen beherrscht (was der erfahrene Cineast aber sowieso schon weiß) - Dench hat ein großartiges Gespür für Mimik und Gestik, sie spielt sowohl instinktiv wie intensiv. Man beobachte nur, wie sie durch die Gänge der Schule huscht, stets mit bestimmtem Schritt und achte auf ihre Kopfbewegungen - eine Mischung aus Neugierde und Arroganz. Dench ist wahrlich eine Grande Dame, der diese Rolle wie auf den Leib geschneidert ist. Ihr Gegenstück ist Cate Blanchett, die leider nur zu selten in ihren Szenen aufgeht. Sie ist genau so, wie Barbara es in einem ihrer Tagebucheinträge beschreibt: Mit dem Landstreichermantel solidarisiert sie sich mit den Schülern, zeigt ihnen aber auch, dass sie keine von ihnen ist. Während Dench ihrer Rolle einen eigenen Stempel aufdrückt, bleibt Blanchett meist ziemlich blass und wirkt austauschbar. Die restlichen Personen erfüllen lediglich "Belebungszwecke", für sie interessiert sich dieses eigentliche 2-Personen-Spiel nicht wirklich.

"Tagebuch eines Skandals" oder wie es der Originaltitel noch besser formuliert "Notes on a Scandal" beschäftigt sich weniger mit dem "Skandal", dem Kindesmissbrauch durch eine Erziehungsperson, sondern viel mehr mit den "Notes", mit den "Tagebucheintragungen" rundherum. Die Geschichte wird so recht subjektiv erzählt, worunter die Nachvollziehbarkeit etwas leidet. So wird zwar klar, weshalb Sheeba die Affäre beginnt (wenngleich die vom Film vorgegebene Argumentation vom frustrierten Ehe- und Familienleben meines Erachtens nach zu oberflächlich ist), aber nicht wirklich wird klar, warum Sheeba sie, nachdem sie weiß, dass Barbara ihr umtriebiges Verhalten bekannt ist, nicht beendet. Wirklich für Sheeba interessiert sich der geneigte Zuschauer sowieso nicht, es ist vielmehr spannender zu beobachten, weshalb Barbara so handelt, wie sie handelt und welche Ziele sie verfolgt. Denn diese Ziele entfalten sich, wie die Seiten eines geheimen Tagebuchs, auch erst im Laufe der Geschichte immer mehr und werden in der Endszene, die zwar etwas "platt" aber effektiv ist, schön auf den Punkt gebracht.

Der zweite Höhepunkt in "Tagebuch eines Skandals" ist die unverwechselbare und markante Filmmusik von Altmeister Philipp Glass, der für diese Arbeit sogar Oscar-nominiert ist. Glass' Musik untermalt nicht nur die Szenen passend, sondern hinterlässt einen bleibenden Eindruck beim Zuschauer.

Leider kann "Tagebuch eines Skandals" in Sachen Spannung nicht wirklich überzeugen, erst nach vielerlei Startschwierigkeiten ist klar, in welche Richtung der Film eigentlich will. Die Geschichte an sich ist auch nichts neues, lediglich die Erzählweise kann als innovativ bezeichnet werden. Insgesamt bleibt "Tagebuch eines Skandals" aber trotz der hochnäsigen-sarkastischen Betrachtungsperspektive durch Judi Dench viel zu zahnlos um eine bissige Satire abzugeben. Wer sich für die Story nicht besonders interessiert, der wird schnell gelangweilt, vor allem, wenn Judi Dench nicht im Bild ist und keine Musik ertönt. Empfehlenswert ja, aber mit Einschränkungen!

Gesamtwertung: 

Verfasser: Florian Widegger, 14.02.2007

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