
Saw 4
Saw IV

Regie: Darren Lynn Bousman
Darsteller: Tobin Bell, Costas Mandylor, Scott
Patterson, Betsy Russell...
Drehbuch: Patrick Melton, Marcus Dunstan
Produzent: Mark Burg, Gregg Hoffman, Oren Koules
Musik: Charlie Clouser
Länge: 95 min.
Freigabe: -
Genre: Horror, Thriller
Produktion: USA - 2007
Kinostart: AT: 07.02.08
Verleih: lunafilm
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Jigsaw ist tot. Doch wer glaubt, damit würden seine teuflischen Spiele
ein Ende finden, der irrt. Bei der Obduktion seines Körpers finden die
Ärzte in seinem Magen eine Kassette mit der Aufschrift „Play Me“. Die
Spiele sind noch nicht vorbei...
Wer hätte es gedacht, dass sich die SAW Reihe zu einem derzeit gar
unverfroren erfolgreichem Franchise mausert? Unverfroren schon allein
deswegen, weil Teil 5 bereits in der Mache ist und man von einem
kulturellen Phänomen spricht, dem man sich insofern verpflichtet, jedes
Jahr pünktlich zu Halloween in den USA einen neuen Teil der Serie in
die Lichtspielhäuser zu bringen. So lange zumindest, wie der Erfolg der
Reihe recht geben wird. Von „Ermüdungserscheinungen“ ist noch nichts zu
hören, von Redundanz schon gar nicht. Munter darf Jigsaw weiter seine
Fallen stellen und schuldigen Menschen die Frage: Wie weit würdest du
gehen, um dein Leben zu retten?
Dass der Film auch einen Anspruch hat, in Sachen Gewaltdarstellung
immer noch einen Schritt weiter zu gehen und einen drauf zu setzten,
ist ebenfalls klar. Und SAW IV stellt selbst für die geübtesten
Splatteraficionados eine Herausforderung dar! Gleich zu Beginn (wie bei
jedem „anständigen“ Horrorfilm wird uns auch hier eine Prequel-Sequenz
präsentiert, das völlig aus dem Kontext gerissen ist und zum weiteren
Verlauf der Handlung nichts beiträgt) werden wir Zeuge einer dem ersten
Teil recht ähnlichen Foltersituation: Zwei Männer angekettet an einer
Winde, die die Ketten langsam und unerbittlich aufrollt. Einer von
ihnen hat einen zugenähten Mund, der andere zugenähte Augenlider. Die
Schlüssel zu den rettenden Schlössern befinden sich jeweils am Genick
des anderen... Die recht flotten Kamerafahrten und Schnitte lassen das
ganze wie ein Musikvideo aussehen (wie schon in den anderen SAW Teilen)
– leider – aber das ist wohl der Stil des neuen Jahrtausends und wirkt
zumindest für die Zielgruppe nicht abschreckend. Im Anschluss folgt
auch gleich die genüssliche Obduzierung des Jigsaw, die in Sachen
Detailfreudigkeit und Ekelfaktor extrem hoch ausfällt. Mit der Zeit
passen sich Körper und Geist des Zuschauers an die Grausamkeiten auf
der Leinwand an, sodass sie mit fortschreitender Laufzeit immer weniger
berühren, oder man das Gefühl hat, sie würden abnehmen. Im Gegensatz zu
Teil drei, bei dem – zumindest so mein Eindruck – durchaus
Zugeständnisse an den Zuschauer gemacht wurden und bei ganz schlimmen
Dingen weggeblendet, geschnitten oder hektisch mit der Kamera
rumgefuchtelt wurde, hält Teil vier wenns sein muss voll drauf, oder
trifft zumindest den Nerv.
Die große Frage, die sich jedoch nach dem Ende des dritten Teils
stellt, ist, wie man dem toten Jigsaw wieder Leben einhauchen könnte.
Hier liegt eines der wahren Talente des Films, denn statt ein stupides
Prequel zu machen oder – noch schlimmer – Jigsaw von den Toten
auferstehen zu lassen, hat man hier eine besonders elegante Lösung
gefunden. Zahlreiche Rückblenden geben Einblick in die Geschichte des
Psychopathen, in seine „glückliche“ Zeit und seine Anfänge als Apostel
des Todes. Da sich der Film im Speziellen auf die Teile 2 und 3
bezieht, ist es von essentieller Notwendigkeit, diese beiden gesehen zu
haben, um die ganze Tragweite des Geschehens zu verstehen. Eine derart
geschickte Verwebung der Ereignisse von Vergangenem mit Neuem ist – vor
allem im Bereich des auf der Stelle tretenden Horrorsektors – eine
besonders erfreuliche Abwechslung.
Unter der Oberfläche hat sich natürlich wenig getan. Spielten Teil 1
und 2 noch stark mit dem damals neuem Motiv des extremen Folterfilms,
in dem ein gewiefter Psychopath die Fäden zieht, war Teil 3 schon
stärker auf eine dritte Person ausgerichtet. Kenner der Reihe erinnern
sich an einen Familienvater, dem der Jigsaw die Möglichkeit gab, sich
bei den Menschen, die am Tod seines Sohnes irgendwie verantwortlich
waren, zu rächen. Teil 4 präsentiert ein ähnliches Schema: Detective
Riggs bekommt die Möglichkeit, allerlei Verbrecher ihrer gerechten
Strafe zuzuführen. Zum Schluss wartet die böse Überraschung – für ihn
und für die Zuschauer. Denn die SAW Reihe ist seit jeher durch ihre
narratives Struktur auch ein Beispiel für die Manipulation des
Publikums durch das Medium Film selbst.
SAW ist DAS Mainstreamhorrorphänomen des neuen Jahrtausends und weitere
Erfolge sind vorprogrammiert. Noch zeigt die Reihe keine
Ermüdungserscheinungen, noch fehlt allerdings auch die Reflexion auf
sich selbst. Somit ist SAW IV ein weiteres gut geöltes Rädchen inmitten
einer großen Marketingmaschinerie, die das Rad längst nicht mehr neu
erfinden, sondern schocken will. Auch das hat die Reihe mit allen
anderen langgedienten Horrorserien gemein: Der Mainstream holt sie
schließlich alle heim – noch erbarmungsloser als alle Serienkiller
zusammen.
Gesamtwertung:
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Verfasser: Florian Widegger, 18.01.2008
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