My Blueberry Nights
 


Regie:
Kar Wai Wong
Darsteller:
Norah Jones, Jude Law, David Strathairn, Natalie Portman...
Drehbuch: Kar Wai Wong, Lawrence Block
Produzent: Stéphane Kooshmanian, Jean-Louis Piel, Jacky Pang Yee Wah, Wang Wei, Kar Wai Wong...
Musik: Shigeru Umebayashi
Länge: 111 min.
Freigabe: -
Genre:
Drama, Romanze
Produktion: HongKong/China/Frankreich - 2007
Kinostart: AT: 08.02.08
Verleih: polyfilm
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Ist Wong Kar-Wai der letzte „echte“ Romantiker des Kinos? Liebesfilme finden zwar immer Eingang in die Spielpläne der heimischen Kinosäle, doch selten staunt (auch) man(n) so sehr über eine Geschichte, die „schon oft zuvor erzählt wurde“. Wer Filme des Regisseurs gesehen hat, weiß bereits von der ersten Szene an, dass er sich in einem seiner Filme befindet – eine U-Bahn fährt, stimmungsvoll beleuchtet und in Zeitraffer, durch New York. Auch später sollten derartige Raffungen im Bild häufig vorkommen, in einem bestimmten Fall wird sogar die Quelle des Bildes, nämlich eine Überwachungskamera im Cafe „enttarnt“.
Die Geschichte an sich ist so simpel, wie auch faszinierend: Die junge Elizabeth (Norah Jones) hinterlegt einen Schlüssel beim Cafebesitzer Jeremy (Jude Law) für ihren Freund. Jeremy erzählt ihr, dass ihr Freund tags zuvor in weiblicher Begleitung bei ihm gespeist habe – eines führt zum anderen und die Beziehung ist beendet. Doch mit dem Öffnen der Tür des Cafes öffnet sich für Elizabeth auch die Tür zu einer neuen Freundschaft: Nächtelang sitzt sie bei Jeremy und die beiden philosophieren über das Leben, abgegebene Schlüssel und Blaubeerkuchen. Eines Tages fasst Elizabeth den Entschluss, abzuhauen und durch Amerika zu reisen, ohne jedoch Jeremy Bescheid zu geben. Sie sendet ihm lediglich regelmäßig Postkarten aus den verschiedenen Orten, die sie besucht, er versucht verzweifelt sie ausfindig zu machen. Auf ihrer Reise begegnet Elizabeth vor allem Menschen mit Problemen: Ein alkoholsüchtiger, von seiner Frau verlassener und verzweifelter Polizist und einer spielsüchtigen jungen Frau, mit der sie sich anfreundet. Hier beginnt eine gewisse Episodenhaftigkeit im Film – bis sie zum Schluss wieder ins Cafe zu Jeremy zurückkehrt. Reich an Erfahrungen ist sie nun bereit für eine neue Liebe in ihrem Leben...
Wong Kar-Wais Film erinnert an die ersten amerikanischen Filme von Wim Wenders – in denen vor allem die Verbindung zwischen Landschaft und Musik sehr klar herausgearbeitet wird. Doch er hat dem deutschen Exilanten zumindest eines voraus: Herausgearbeitete, ehrliche Charaktere, die als Identifikationsfiguren dienen (können). Während Elizabeth durch ihre Reise, die vielmehr auch als emotionale, innere Reise zu verstehen ist, an sich selbst wächst, bleibt Jeremy dem Rat seiner Mutter treu: Wenn du dich einmal im Wald verirrt hast, dann bleib wo du bist, damit man dich findet. Ein – wie er selbst zugibt – sehr dummer Rat, den er trotzdem zu befolgen scheint. Auch er ist ein verlorener, von der Liebe und vom Leben mehr oder weniger enttäuschter junger Mann, der aufgehört hat, zu träumen, sondern zufrieden ist mit dem, was er hat. Bis Elizabeth in sein Leben tritt. Dennoch – er bleibt an seiner Stelle und bewegt sich nicht fort.
Dass es am Schluss ein Happy End gibt, ist nur rechtens und wunderschön anzusehen. Längst hat der Zuschauer beide so sehr ins Herz geschlossen, dass er es den beiden gönnt. Zumal der Filmkuss zwischen den beiden geradezu genüsslich zelebriert wird. Ein gnadenlos romantischer, wunderschöner Film!

Gesamtwertung: 



Verfasser: Florian Widegger, 18.01.2008

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