John Rambo


Regie:
Sylvester Stallone
Darsteller:
Sylvester Stallone, Julie Benz, Matthew Marsden, Graham McTavish...
Drehbuch: Art Monterastelli, Sylvester Stallone
Produzenten: Kevin King, Avi Lerner, Sylvester Stallone, Kevin King Templeton, John Thompson
Musik: Brian Tyler
Länge: 91 min. (Österreich, ungeschnitten) / 89 min. (Deutschland, FSK KJ-Fassung)
Freigabe: DE: KJ (geschnitten)
Genre:
Action, Drama, Thriller
Produktion: USA, Deutschland - 2008
Kinostart: AT: 15.02.08
Verleih: Warner Bros.
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John Rambo ist wieder da. Nach dem verblüffenden Erfolg seines Abschluss der Rocky-Saga findet nun auch die Reihe um den skrupellosen Einzelkämpfer ihr wohl verdientes Ende.

20 Jahre später...

Nachdem im dritten Teil aus dem Jahr 1988 Afghanistan unsicher und die Eigenschaften von blauem Licht genau erkundet worden sind, hat Rambo genug vom Kämpfen. Er zieht sich weitab von der Zivilisation in den Dschungel Thailands zurück und arbeitet dort als Tierfänger. Alles könnte so friedlich sein, wenn da nicht eine Gruppe junger amerikanischer Missionare angekommen wäre. Die wollen ins benachbarte Burma, um den unterdrückten Karen Lebensmittel, Medikamente und Gottes Segen zu bringen. Die einzig weibliche Missionsteilnehmerin, Sarah, appelliert an Johns ehemals vorhandenen Idealismus und bringt ihn schließlich dazu, die Gruppe mit seinem Boot flußaufwärts über die Grenze zu bringen. Schon bei der Überfahrt kommt es zu ersten Schwierigkeiten, als eine Gruppe Flußpiraten angreift. Und aus John wird schnell wieder Rambo, die Killermaschine. Nach erfolgreicher Abwehr und Landung, kehrt John wieder zurück in seine Hütte. Dort wird er zwei Wochen später von einem amerikanischen Pastor besucht: Die Gruppe sei nie zurück gekehrt, schlimmer noch, von den burmanischen Militärs gefangen genommen. John soll eine Gruppe angeheuerter Söldner ebenfalls nach Burma bringen. Schon bald darauf sollte diesen klar werden, wer sie da auf die Reise begleitet und eine gefährliche Befreiungsaktion beginnt...

Heroes never die

Das neueste Werk von „Sly“ Stallone will gleich zwei Ansprüche erfüllen: Einerseits will man den Fans der Serie das bieten, was Rambo berühmt oder berüchtigt gemacht hat – nämlich Action. Und Action soll das lechzende Fußvolk auch bekommen. In „John Rambo“ regiert die gute, alte Handarbeit, da wummst und kracht es an allen Ecken und Enden, bei der leisen, Nacht und Nebel- Befreiungsaktion hingegen regiert höchste Spannung. Da – hinter dir! Zack und schon ist er hin. Sly weiß, was das Publikum sehen will. Er weiß aber auch, was es nicht sehen will und hier liegt der zweite Anspruch des Films: Die „Rambo“-Reihe war immer eine, die vor mehr oder weniger realem politischen Hintergrund spielte. Und so ist es diesmal der Bürgerkrieg in Burma, wo die Militärjunta schon seit 60 Jahren ihr Volk unterdrückt und den Stamm der Karen, die nach einem unabhängigen eigenen Staat streben, systematisch ausrotten. Das alles geschieht zumeist weitab von den Augen der westlichen Medien. Zumeist deshalb, weil im September des letzten Jahres grausame Bilder über die Zustände im asiatischen Staat durch die Welt gingen. Friedlich protestierende Mönche wurden von Soldaten geschlagen oder erschossen. Der Westen sah, wie immer, tatenlos zu.
John Rambo
war im September 2007 schon abgedreht und in der Post-Produktion. Jetzt lässt er diese Bilder in unserer Erinnerung wieder zum Leben erwachen. Mit besonderer Drastik schildert er, wie Menschenrechte in diesem Land mit Füßen getreten werden. Mehrmals gibt es Szenen, in denen Gefangene zum Amusement der Soldaten über Minenfelder geschickt werden. Wohl auch deshalb verzichtet der neueste „Rambo“-Teil auf einen Oberbösewicht oder auf zynische Kommentare seitens des Helden während des Kampfverlaufs. Rambo bringt die Zustände schon zu Beginn mit einem „Fuck the world“ auf einen nicht mehr zu toppenden Punkt. John Rambo ist ein Film mit ehrenwertem Anliegen, der sich den Mitteln der „Unterhaltung“ bedient, um diese zu offenbaren. Wer jedoch einen Blick in diverse Internetforen wirft, merkt schon bald, dass dieses Anliegen dem „gemeinen“ User recht egal sein wird. Dem geht’s eher um die Frage, was und wieviel denn geschnitten sein wird, schließlich möchte man Rambo in all seiner Brutalität genießen. In Österreich startet, so viel sei gesagt, die ungeschnittene Fassung mit einer Dauer von 91 Minuten (wobei die letzten 12 Minuten Abspann sind). Genau wegen dieser Einstellung der Blut lechzenden Massen werden Slys politische Ambitionen und Botschaften untergehen.

There will be blood

Um also auch die Zuschauer und Leser, die nach dem ersten Trailer von letztem Sommer Blut geleckt haben zufrieden zu stellen, noch ein paar Worte zu dem, was sie erwarten können: Einen Stallone im anabolikagestärkten Körperkostüm, der es tatsächlich schafft, im ganzen Film ein und den selben Gesichtsausdruck zu behalten. Und schließlich jede Menge Blut: Explosionen reißen Gliedmaßen in die Luft, ebenso schwere Geschütze und am Schluss – gar einem orgiastischen Höhepunkt gleich: Rambo mit stationärem MG auf einem Jeep gegen die Bösen. Zehn Minuten lang. Wumms, krach, peng, fletsch. Kein Wunder, dass Zensoren und Jugendschützer damit ihre Freude haben. Die straighte Action erinnert an die klassischen Actionfilme der 80er Jahre, die heute etwas B-movie Charme versprühen, was ja gar nicht schlecht ist. Zu Beginn und zum Schluss wird sogar das Rambo-Thema des mittlerweile verstorbenen Jerry Goldsmith angespielt, so als wolle uns Stallone beim ersten Mal sagen, dass John zurück zu seinen Wurzeln kehrt, und uns beim letzten Mal augenzwinkernd ein „hab ich es euch nicht gesagt“ zum Abschied mitgibt. Mit „Rambo“ ist erneut ein Kinoheld der Vergangenheit mehr als erfolgreich ins neue Jahrtausend gerutscht – ihm wurde damit ein gelungener Abschied beschert. Nicht gänzlich hirnloses Herumgeballere, das sämtliche Vorzüge des Genres offeriert.

Gesamtwertung: 


Verfasser: Florian Widegger, 13.02.2008

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