
Inland Empire
Regie:
David Lynch
Darsteller: Laura Dern, Jeremy Irons, Harry Dean Stanton, Justin
Theroux...
Drehbuch: David Lynch
Produzenten: David Lynch, Mary Sweeney
Musik: Angelo Badalamenti
Länge: 172 min.
Freigabe: -
Genre: Drama, Mystery
Produktion: Frankreich, Polen, USA - 2006
Kinostart: AT: 01.06.07
Verleih: Filmladen
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Nikki Grace (Laura Dern) ist eine ehemals bekannte Schauspielerin, mit den
Jahren geriet sie aber mehr und mehr in Vergessenheit. Nun soll ein neues
Filmangebot ihre Karriere wieder auf Vordermann bringen: Sie spielt mit dem
bekannten Womanizer Devon Berk (Justin Theroux) die Hauptrolle in dem neuen Film
von Regisseur Kingsley Stuart (Jeremy Irons) „One High in Blue Tomorrows“. Noch
vor den Dreharbeiten erfährt sie, dass es sich dabei um das Remake eines Films
handelt, der vor Jahren nicht fertig gestellt wurde, da die Hauptdarsteller ums
Leben kamen. Während Nikki immer mehr in die Rolle von Susan Blue schlüpft,
verschwimmen Filmfiktion und Realität immer mehr ineinander, Gesetze zwischen
Zeit und Raum werden aufgehoben…
Drei Stunden dauert „Inland Empire“ – das sind drei Stunden, die man so im Kino
wohl noch nie erlebt hat. David Lynchs neues Epos drückt seine Zuschauer
förmlich in die Kinosessel, er ist ein Reigen der Angst, ein Film, dem sein
Regisseur unverkennbar seinen Stempel aufgedrückt hat. Das, was die Lynch Fans
schon seit „Eraserhead“, „Lost Highway“ oder „Mulholland Drive“ lieben, bekommen
sie in „Inland Empire“ in einer so geballten Form wie nie zuvor geboten. Und
doch stellt man sich die Frage, ob die Rezeption eine andere wäre, wenn man eben
nicht wüsste, dass der Film von David Lynch himself ist. Wie weit darf ein
Regisseur gehen und sein Publikum derart beanspruchen, fast foltern? Nach drei
Stunden aufmerksamer Rezeption von „Inland Empire“ fällt man erst einmal in ein
tiefes schwarzes Loch. Was hat sich auf der Kinoleinwand gerade abgespielt?
Wurde ich in den letzten drei Stunden nur zum Narren gehalten? Wozu das Ganze?
Zwei Hauptaspekte ziehen sich gewissermaßen als kleine Hilfestellung durch den
gesamten Film: Da wäre zum einen Laura Dern, die jede Szene dominiert. Und auf
der anderen Seite wäre das Thema: Angst. Angst in seiner schlimmsten und
vielfältigsten Form. „Inland Empire“ ist die Verfilmung eines subjektiven
Albtraums, und hat auch die typischen Charakteristika eines solchen: WO befindet
sich unsere Protagonistin gerade? WELCHE Person ist sie gerade? (wer Lynchfilme
kennt, der weiß um das Problem von multiplen Persönlichkeiten und Identitäten).
In einer Szene des Films sagt Niki/Susan selbst, sie wisse zwar, was um sie
herum passiert, doch sie könne nicht zuordnen, was vorher und was nachher
geschehen würde. Lynchs neuer Film ist ein Spiel mit den Ebenen von Zeit, Raum
und Mensch – er ist eine Reise in die tiefsten seelischen Abgründe und prägt
sich dank der treibenden Musik Angelo Badalamentis (Haus- und Hofkomponist für
David Lynch, der auch hier sowohl typische düstere Klangteppiche ausrollt, sich
in anderen Szenen aber wieder sehr verspielt gibt) und den Bildern der
Digitalkamera (was wiederum Lynchs Genie zeigt: Bei ihm sehen selbst die
eigentlich amateurhaftesten Einstellungen dank der durchdachten Ausleuchtung wie
großes Kino aus) tief im Gedächtnis des Zuschauers ein.
Entweder man lässt sich voll und ganz als Zuschauer auf Lynchs Erzählweise ein,
oder man gibt nach kurzer Zeit auf. Irgendwo zwischen den Bildern aus einer
Sitcom, in der die Darsteller im Hasenkostüm auftreten, den dunklen Gassen von
Los Angeles oder einer polnischen Kleinstadt liegt etwas größeres, das man mit
Worten wohl nur schwer beschreiben kann.
Fakt ist – diesen Film wird man wohl für lange Zeit nicht vergessen, für alle
Puristen ist Lynchs neuer Film wohl die Offenbarung der letzten Jahre. Ich kann
nur mein Haupt verneigen, auch wenn ich INLAND EMPIRE nicht verstanden habe
(wahrscheinlich hat das Herr Lynch wohl selbst nicht) – aber darum geht’s hier
wohl wirklich nicht.
Gesamtwertung:
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Verfasser: Florian Widegger, 17.04.2007
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