Ein fliehendes Pferd

Regie: Rainer Kaufmann
Darsteller: Ulrich Noethen, Ulrich Tukur, Katja Riemann, Petra Schmidt-Schaller
Drehbuch:
Ralf Hertwig, Kathrin Richter
Produzenten: Paul Günczler, Rikolt von Gagern
Musik: Annette Focks
Länge: 96 min.
Freigabe: -
Genre:
Drama, Komödie, Literaturverfilmung
Produktion: DE - 2007
Kinostart: AT: 21.09.2007
Verleih: Filmladen
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Schon seit zwölf Jahren verbringen Studienrat Helmut Halm (Ulrich Noethen) und seine Frau Sabine (Katja Riemann) ihre Sommerferien am Bodensee in Ruhe und ohne Komplikationen. Doch dieses Mal sollte sich alles ändern, denn im Strandbad steht plötzlich Helmuts ehemaliger Jugendfreund Klaus (Ulrich Tukur) mitsamt seiner zwanzig Jahre jüngeren Freundin Helene (Petra Schmidt-Schaller) vor den beiden. Während Sabine sich von der Energie, die Klaus versprüht, angezogen fühlt, empfindet Helmut diesen immer mehr als Nervensäge - wohl auf der einen Seite, weil er diesen „Funkenflug“ spürt, auf der anderen Seite aber auch, weil Klaus frivole und unverkrampfte Art ihm als lästig aufstößt. Seine Versuche, wieder in die „Isolation“ zurück zu kehren, schlagen fehl, dafür entwickelt er Gefühle für Helene. Als die beiden Männer allein auf einen Segeltörn gehen und ein Unwetter aufzieht, kommt es schließlich zur Konfrontation…

„Ein fliehendes Pferd“ basiert auf der bereits 1978 erschienen Novelle des deutschen Schriftstellers Martin Walser, die bereits 1984 für eine TV-Produktion verfilmt wurde. Nun folgt die Kinoadaption, bei der sofort der illustre Cast ins Auge sticht. Sowohl Ulrich Noethen als auch Ulrich Tukur zählen zur Schauspielelite im deutschsprachigen Raum, von Katja Riemann ganz zu schweigen. Mit Petra Schmidt-Schaller wurde ein junges Talent an Bord geholt, das sich vor den älteren Kollegen nicht zu verstecken braucht. Da der Film – wie schon seine Vorlage – auf seine starken, eigenständigen Charaktere setzt, ist es nicht weiter verwunderlich, wenn diesen so ein individueller Stempel aufgedrückt wird.
Kaufmanns Film handelt vor allem von unbewussten Wünschen, Sehnsüchten und Träumen und wie schnell und auf welch verschiedene Art und Weise sie sich äußern können. Sabine ist zwar frustriert von dem Alltagstrott, von der sexuellen Unlust ihres Gatten, überhaupt von seiner Teilnahmslosigkeit, sodass ihr die Begegnung mit Klaus nicht nur gut tut, sondern sie auch anregt. Helmut hingegen ist zwar unzufrieden mit sich und seinem emotionalen Gefängnis, doch ist er nicht willens genug, aus diesem auszubrechen. Erst am Schluss muss und kann er sich entscheiden, nicht nur seine Ängste zu überwinden, sondern auch sein Leben von Grund auf zu ändern.
Klaus und Helene sind lediglich – wenn aber auch sehr wichtige und starke – Katalysatoren, die plötzlich das Leben der Halms durcheinander bringen, und ebenso plötzlich wieder verschwinden. Somit drängt sich am Ende doch die Frage auf, inwiefern die beiden überhaupt existierten.
Bei aller Ernsthaftigkeit und Dramatik wird auch auf den Humor nicht vergessen – und hier liegt wohl auch eine kleine Schwäche des Films. Denn hier dominieren meist flache Anspielungen auf allerlei sexuelle Spielarten etc. – das mag zum einen ganz gut zum Charakter der vortragenden Person passen, auf der anderen Seite fragt man sich doch, warum die Drehbuchautoren diesen sehr einfachen Weg der Humorerzeugung (die somit nicht immer funktioniert) gewählt haben.

FAZIT:
Die Verfilmung eines der erfolgreichsten Bücher im deutschsprachigen Raum kann vor allem aufgrund seiner exzellenten Schauspieler und der ohnehin sehr durchdachten und auch stellenweise recht spannenden Geschichte überzeugen. Das fliehende Pferd selbst kommt zwar nur einmal kurz vor, vereint dafür aber auch in seiner Symbolik die Charakterzüge seiner Protagonisten. Die routinierte Inszenierung tut ihr übriges, der Funke selbst vermag allerdings aufgrund kleinerer Schwächen nicht ständig überzuspringen.


Gesamtwertung:
 

Verfasser: Florian Widegger, 20.09.2007

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