Die Herbstzeitlosen

Regie: Bettina Oberli
Darsteller: Stephanie Glaser, Hanspeter Müller, Heidi Maria Glössner, Lilian Naef, Annemarie Düringer...
Drehbuch:
Sabine Pochhammer
Produzenten: Alfi Sinniger
Musik: Luk Zimmermann
Länge: 86 min.
Freigabe: -
Genre:
Komödie
Produktion: Schweiz - 2006
Kinostart: AT: 17.08.07
Verleih: Filmladen
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Im idyllischen schweizerischen Dorf Trub im Emmental lebt die bereits etwas betagte Martha (Stephanie Glaser), die ihren Mann vor einigen Monaten verloren hat und einen kleinen Tante Emma Laden betreibt. Dieser Verlust dominiert immer noch ihr Leben und so findet sie kaum Vergnügen – zumal ihr Sohn Walter (Hanspeter Müller-Drossaart), der auch der Pfarrer der Gemeinde ist, sie drängt, den Laden aufzugeben und sich neuen Aufgaben zu widmen. Als sie zufällig mit ihren Freundinnen Lisi, Frieda und Hanni in Bern an einem Dessous-Laden vorbeikommt, erinnert sie sich wieder an ihren früheren Beruf, Dessousschneiderin, den sie vor über 50 Jahren ihrem Mann zu Liebe aufgegeben hat. Lisi überredet Martha, ihr Geschäft auszuräumen und eine eigene Schneiderei zu eröffnen. Doch dieses Vorhaben stößt nicht bei allen Dorfbewohnern auf Gegenliebe: Vor allem Hannis Sohn, der konservative Politiker Fritz sind die Unzüchtigkeiten ein Dorn im Auge. Nicht nur Martha durch ihre neue Aufgabe wieder voll Tatendrang, auch ihre Freundinnen erfahren ein neues Bewusstsein dafür, was es heißt, das Leben zu genießen.

Alte Menschen haben es in unserer technisierten Zeit nicht immer einfach. Oftmals werden sie in Heime gesteckt, wo sie den „Herbst“ des Lebens mehr oder weniger genießen können. Wieder andere verlieren jeglichen sozialen Kontakt. Und andere werden von ihrer Umwelt nicht mehr ernst genommen. Dieser Vielfalt an Alltagsproblemen widmet sich Bettina Oberli in ihrem neuesten Spielfilm „Die Herbstzeitlosen“. Dabei ist in der unberührten schweizerischen Landschaft alles etwas persönlicher, als es beispielsweise in einer Großstadt der Fall wäre: Jeder kennt hier jeden, und jeder glaubt zumindest, alles vom anderen zu wissen. Dass auch die Figuren in „Die Herbstzeitlosen“ ihre Geheimnisse bergen und zu schützen versuchen, macht einen besonderen Reiz des Films aus. Dank der sehr guten Besetzung – vor allem der alten Damen – die von der Elite des schweizerischen Kinos oder Theaters verkörpert werden, wird der Film schnell sympathisch. Natürlich ist die Geschichte im Prinzip nicht neu: Lebenslust und moralischer Zeigefinger trafen sich im Kino schon des Öfteren und sorgten für die ein oder andere Skurrilität, und dass gerade der größte Moralapostel nicht unfehlbar ist, sollte ebenfalls niemanden mehr überraschen. Es ist aber vor allem die Umsetzung dieser Ingredienzien, die das Ergebnis so liebenswert machen: Die ansprechende Musik, die von einer Berner Musikerfamilie mit Ländlerinstumenten eingespielt wurde, macht die Träume der Charaktere mit leicht melancholischem Einschlag („Amazing Grace“) hörbar, ohne dabei platte Volksmusikklischees zu bedienen, die „Herbstzeit“ wird durch die visuelle Aufbereitung übertragen.

Wenn in einem kleinen Kuhdorf in den Schweizer Alpen die alten wieder jung werden, ihre Träume verwirklichen und so wieder erblühen, ergibt dies ein „frisches“, wenn auch schon oft erlebtes und charmantes Filmerlebnis, das mit viel Charme und Humor die Emotionen der Zuschauer genau trifft. Eine kleine Kinoüberraschung!

Gesamtwertung: 

Verfasser: Florian Widegger, 16.07.2007

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