
Das Streben nach Glück
(The Pursuit of Happyness)
Regie: Gabriele Muccino
Darsteller: Will Smith, Jaden Smith, Thandie Newton, Brian Howe...
Drehbuch: Steve Conrad
Produzenten: Todd Black, Jason Blumenthal, James Lassiter, Will
Smith, Steve Tisch, Teddy Zee
Musik: Andrea Guerra
Länge: 117 min.
Freigabe: FSK: ab 6, beantragt
Genre: Komödie/Drama
Produktion: USA/2006
Kinostart: DE: 18.01.07 / AT: 19.01.07
Verleih: Sony Pictures Releasing
Offizielle HP zum Film und Trailer:
www.streben-nach-glueck.de
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Das Leben ist ein Kampf. Chris Gardner erlebt dies jeden Tag am eigenen Leibe:
Er schlägt sich in einem unterbezahlten Vertreterjob durchs Leben und versucht
Frau Linda und Sohn Christopher zu ernähren. Mit der Miete ist er im Rückstand,
Luxus gibt’s keinen, und von früh bis spät ist der Familienvater auf den Beinen
(hehe, reimt sich sogar). Bis er eines Tages zufällig auf der Straße Jay
Twistle, einen Börsenmakler anspricht. Auf sein Anraten hin beginnt Chris ein
Praktikum bei Dean & Witter, einer renommierten Brokerfirma. Linda hält indessen
die Belastung nicht mehr durch und verlässt Chris und ihren Sohn um in New York
neu anzufangen. Das Vater-Sohn Gespann steht nun alleine da und hat noch einen
weiten und steinigen Weg zu gehen, bis sie endlich das „Glück“ erreichen…
MEN IN BLACK
Will Smith – bisher eher als (mehr oder weniger) kompetenter Darsteller in
Actionfilmen und Komödien bekannt – stattet dem Drama wieder einen Besuch ab (in
„Ali“ konnte er ja bereits als Boxlegende überzeugen) und schlägt sich auch
diesmal wieder souverän durch den Film. Man empfindet Sympathie für den
charismatischen Chris, der trotz aller Widrigkeiten, die ihm das Leben
auferlegt, auf dem Boden bleibt und versucht, sein Schicksal in geregelte Bahnen
zu führen. Vor allem in den Szenen mit seinem Sohn Christopher (überzeugend
gespielt vom echten Will Smith Junior Jaden Christopher Syre Smith) kommen
ehrliche Gefühle hoch und man erahnt das „Ausmaß“ dieses persönlichen
Schicksals, das uns allen widerfahren könnte. Es bleibt beim Erahnen, denn
wirklich berühren kann dieser Film nicht oft. Am ehesten noch in einer Szene, in
der Vater und Sohn in einer U-Bahntoilette übernachten. „Das Streben nach Glück“
stellt sich selbst einfach ein paar Fallen, die dem aufmerksamen Zuschauer
auffallen, und diese „Leidensgeschichte“ stark relativieren: Als
Brokerpraktikant sowie als Verkäufer schafft es Will Smith nämlich, immer
perfekt auszusehen: Ob er nun von einem Auto angefahren wird (was nur zur Folge
hat, dass sein Schuh spurlos verschwindet, die Windschutzscheibe des Autos
allerdings im Eimer ist), durch die Straßen von San Francisco sprintet oder wie
oben bereits erwähnt, Nächte in öffentlichen Toiletten verbringt – der Anzug
sitzt wenige Sekunden später wieder perfekt. Da hilft auch der etwas aufgesetzt
eingefügte Subplot, als Chris – gerade mit Malerarbeiten in der eigenen Wohnung
beschäftigt und entsprechend bekleckert (nebenbei bemerkt macht man solche
Arbeiten nicht im Unterhemd) - von der Polizei wegen Nicht-Bezahlens diverser
Parkscheine in Gewahrsam genommen wird, die Nacht über im Gefängnis verbringt
und am nächsten Tag ungewaschen und mit den Farbflecken vom Vortag zu seinem
Vorstellungsgespräch geht. Ja, klar, sicher doch!
BASED ON A TRUE STORY
„The Pursuit of Happyness“ nimmt für sich nicht in Anspruch, authentisch zu
sein. Er ist lose an das „Schicksal“ des jetzigen Multimillionärs Chris Gardner
geknüpft, dem Anfang der 80er eine ähnliche Geschichte passiert ist. Um diese
Geschichte „kinotauglich“ zu machen wurden Charaktere und Handlungsstränge
hinzugefügt – alles unter Abstimmung mit dem echten Chris Gardner, der
begeistert von der Idee war, dass Will Smith ihn spielen würde. Meiner Meinung
nach hat das Drehbuch durch oben geschilderte Kleinigkeiten diese Geschichte
nicht unbedingt verbessert. So zum Beispiel die Einbindung der Ehefrau, die im
Original nicht existierte (wobei mich dann interessieren würde, welche Rolle die
„echte“ Mutter Christophers in Gardners Geschichte gespielt hat – es in der
kürzlich erschienenen Autobiographie nachzulesen reizt mich aber auch nicht
wirklich…) – man könnte fast den Eindruck haben, Steven Conrads Skript wolle ein
paar Vorurteile („Wenn’s schlimm kommt, verlässt dich deine Frau als erste“)
bestätigen. Thinda Newton versucht zwar, ihr Dilemma als über-gestresste Ehefrau
zu vermitteln, im Endeffekt bekommt sie dafür aber zu wenig Luft – ihrem
Charakter wird nur anfänglich etwas Zeit gewidmet, bis man sie völlig aus dem
Film ausscheiden lässt.
Das Drehbuch widmet sich also stark Will Smiths Charakter, der auch in praktisch
allen Szenen des Films vorkommt und so eine und so eine überzeugende Präsenz
liefert. Die Regie des Italieners Gabriele Muccino verläuft weitestgehend
schnörkellos, um nicht zu sagen routiniert und ohne besondere Wagnisse. Schön:
Roberta Flacks Interpretation von „Bridge over troubled water“ untermalt eine
Szene perfekt!
WIE WILL SMITH DAS GLÜCK IN 117 MINUTEN FINDEN?
Ein kleines Problem, das sich meiner Meinung nach stellt, ist, dass sich die
Geschichte zu sehr auf den amerikanischen Traum „vom Tellerwäscher zum
Millionär“ – aber halt nicht durch Glück, sondern durch harte Arbeit –
fokussiert. Können wir Glück wirklich nur dann erlangen, wenn auch die Kasse
stimmt, wenn wir einen flotten Sportwagen fahren oder in Luxusvillen hausen? Mir
wird wohl keiner widersprechen, dass ein Leben ohne finanzielle Sorgen um
einiges angenehmer ist, als ein Leben in Armut. Und jeder ist seines Glückes
eigener Schmied – das wissen wir auch schon lange. Hier scheint es allerdings
vordergründig nur um das Erreichen von finanzieller Unabhängigkeit zu gehen – in
Chris Privatleben bleibt sonst einiges auf der Strecke (auch hier „stört“ die
Idee mit der Ehefrau wieder) – wenngleich auch die Beziehung zu seinem Sohn
stärker wird, allerdings auch gewaltige Höhen und Tiefen durchgeht. Etwas mehr
„Universalität“ hätte ich dem Glücksbegriff schon zugeschrieben – immerhin
konzentriert sich der Film aber nur auf Gardners „Anfänge“ als Börsenmakler –
also auf die schwierigste Zeit in seinem Leben und lässt dann die
„Reichtumsphase“ aus.
Und trotz der Beschränkung auf diesen Zeitraum von knapp sechs Monaten ist der
Film mit knapp zwei Stunden Laufzeit an gewissen Stellen zu langatmig, zu
aufgeblasen, zu emotionslos. Da er sowieso nur lose auf einer wahren Geschichte
(die halt nicht besonders abendfüllend ist) basiert, relativiert er seine
Anliegen und Aussagen. „Das Streben nach Glück“ kann allerhöchstens als gut
gespieltes, dialolglastiges „Biopic“ überzeugen, das seinen ganzen Charme durch
das Smith-Familiengespann ausstrahlt und einigermaßen nett anzusehen ist. Aber
mit „Rocky“ (Produzent Todd Black sieht sehr starke Ähnlichkeiten zwischen
beiden Filmen) lässt er sich schon allein vom emotionalen Aspekt her nicht
vergleichen. Und wenn schon „Rocky Balboa“ demnächst in die Kinos kommt, so
zieht „Pursuit of Happyness“ auch gegenüber diesem Film klar den kürzeren. „Das
Streben nach Glück“ hätte ein richtig toller Film werden können, vermag aber
durch kleinere Fehler einfach nicht über den Durchschnitt hinauszuschießen.
Drei Filmrollen kann ich knapp noch verantworten, was vor allem an Jaden Smiths
Spiel liegt, der den Papa in einigen Szenen richtiggehend alt aussehen lässt.
Gesamtwertung:
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Verfasser: Florian Widegger, 08.01.2007
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