
Das Mädchen, das die Seiten umblättert
(La Tourneuse de pages)
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Regie: Denis Dercourt
Darsteller: Catherine Frot, Déborah François, Pascal Greggory...
Drehbuch: Denis Dercourt, Jacques Sotty
Produzenten: Michel Saint-Jean
Musik: Jérôme Lemonnier
Länge: 85 min.
Freigabe: -
Genre: Drama, Thriller
Produktion: FR - 2006
Kinostart: AT: 04.05.07
Verleih: Filmladen
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Die junge Mélanie (Julie Richalet) fiebert ihrer Aufnahmeprüfung für Klavier am
Konservatorium entgegen. Allerdings endet das Vorspielen in einem Fiasko, da die
Juryvorsitzende Ariane Fouchéocourt (Catherine Frot), selbst eine bekannte
Pianistin, Mélanie aus der Fassung bringt. Gekränkt und enttäuscht wähnt Mélanie
den Traum von der Pianistinnenkarriere für ausgeträumt.
Zehn Jahre später beginnt Mélanie (Déborah Francois) ein Praktikum bei einem
Anwalt (Pascal Greggory) und bekommt die Möglichkeit, sich in den Ferien um
dessen Sohn Tristan zu kümmern. Im Landhaus trifft sie die Pianistin aus ihrer
Kindheit wieder. Da diese sie nicht erkennt, beschließt Mélanie, sich an ihr zu
rächen: Sie gewinnt langsam aber sicher das Vertrauen der Pianistin, deren
Karriere selbst auf der Kippe steht, und wird zu ihrer persönlichen
Notenumblätterin. Ariane fühlt sich dabei immer mehr zu der jungen Frau
hingezogen, die mit ihren subtilen Manipulationen langsam aber sicher ihr Ziel
erreicht…
Allegro con moto
Denis Decourts fünfter Film ist in der Welt der Musik angesiedelt. Kein Wunder,
kommt doch der Regisseur ebenfalls aus dieser „Welt“ - als Solo-Bratschist im
Orchestre Symphonique Francais weiß er, was es bedeutet, vor Publikum
aufzutreten und Nervosität zu spüren. Das Thema der Nervosität taucht in
vielschichtiger Bearbeitung im Film auf: Etwa wenn die junge Mélanie am
Konservatorium zuerst völlig sicher und fehlerfrei vorspielt, dann aber aufgrund
einer Autogrammjägerin irritiert wird und schließlich versagt. Später im Film
wird es Ariane sein, die aufgrund eines ungeklärten Autounfalls an Nervosität
leidet und vor ihren Auftritten vor Lampenfieber glüht. Der Aufbau des Films
ähnelt dabei nicht unwesentlich einer Partitur: Mit langsamen Schritten wird der
Zuschauer an mehrere kleine Höhepunkte im Film hingeführt, die zunächst auf
„musikalischer“ Seite stehen und erst zum Schluss „persönlich“ werden.
Andante
Dabei streut der Film kaum falsche Fährten aus und wirkt für einen Thriller
erstaunlich geradlinig. Spannungsmomente oder Überraschungen liefert Decourt
kaum – dazu ist Mélanies ausgeworfenes „Netz“ der Rache zu durchlässig. Und da
entpuppt sich auch die Schwäche des Films: Das Drehbuch an sich lässt zu viele
Fragen offen und wirkt unfertig: War Mélanies Rachefeldzug von vorneherein
geplant? Wenn dem so wäre, hätte der Zufall doch einen großen Teil zum
„Gelingen“ beigetragen. Und wenn dem nicht so war, was gibt den Ausschlag dafür?
Dass die Frau ihre „Karriere“ zerstört hat, schön und gut, aber genau dieser
Faktor kommt viel zu undurchsichtig zum Vorschein. Dabei erinnert die ständig
mit fahlem Gesichtsausdruck durch kahle Räume laufende Mélanie etwas an die
Protagonisten der Serienkillerfilme aus den 80ern. Ein paar Faktoren würden
dabei sogar einen „blutigen“ Verlauf der Geschichte andeuten: Im Vorspann wird
Fleisch gehackt, Mélanies Eltern sind Fleischhauer und auch sie ist gut im
Umgang mit Beilen. Doch es bleibt beim bloßen Andeuten. Mélanie setzt eher
darauf, Tristans Arm durch zu anspruchsvolles Üben überzustrapazieren und Ariana
mit kleinen Andeutungen mehr und mehr für sich zu gewinnen, um sie am Schluss im
wahrsten Wortsinne zu Fall zu bringen. Obwohl Mélanie im Film von sich
behauptet, selten Make-Up aufzulegen, trägt sie in Wahrheit ständig eine Maske
mit sich.
Finale
Auf formaler wie darstellerischer Ebene gibt es am Film absolut nichts zu
bemängeln: Das Tempo ist etwas zurückgenommen, ohne dass der Film langweilig
wird, die beiden Hauptdarstellerinnen Catherine Frot (eher durch Komödien wie
„Le diner des Cons“ oder Les Soers fachées“ bekannt) und Déborah Francois
(feierte ihr Debüt mit „L’Enfant“) spielen beide höchst disziplinierte und
zurückgenommene Rollen und passen sich so auch dem etwas kalten Setting des
französischen Landhauses an. Die Musik ist sowohl eigenständig als auch als
Unterstützung für klassische Passagen zu sehen bzw. zu hören und funktioniert
ebenfalls gut.
Somit bleibt ein leiser französischer Noir-Thriller, der in einigen Szenen
durchaus packend ist, andererseits auch etwas unausgegoren wirkt. Das kann
stören, muss es aber nicht.
Gesamtwertung:
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Verfasser: Florian Widegger, 03.04.2007
Interview mit dem Regisseur, geführt von Florian Widegger, auf unserer
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