
ANGEL – EIN LEBEN WIE IM TRAUM
(Angel)

Regie: François Ozon
Darsteller: Romola Garai, Sam Neill, Charlotte Rampling,
Lucy Russell, Michael Fassbender, Jacqueline Tong, Janine Duvitski,
Christopher Benjamin, Jemma Powell, Simon Woods...
Drehbuch: François Ozon
Produzenten: Olivier Delbosc, Marc Missonnier
Musik: Philippe Rombi
Länge: 139 min.
Freigabe: -
Genre: Drama / Romanze
Produktion: Frankreich/ GB /Belgien - 2007
Kinostart: AT: 10.08.07
Verleih: Filmladen
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Die junge Angel (Romola Garai) wächst in ärmlichen Verhältnissen im
England des beginnenden 20. Jahrhunderts auf. Statt zur Schule zu gehen
träumt sie lieber von einem besseren Leben, welches sie im prunkvollen
„Paradise House“, eigentlich eine Akademie für Diener, führen möchte
und schreibt einen Roman, da sie sich sicher ist, eine
Bestsellerautorin zu sein. Und tatsächlich hat sich ein Verleger, Theo
(Sam Neill), aufgetan, der ihren Erstling veröffentlichen will. Trotz
Bedenken seiner Gattin Hermione (Charlotte Rampling) der Person Angel
gegenüber wagt er das Risiko und landet prompt einen Erfolg. Von nun an
geht es mit der Karriere Angels steil aufwärts und sie kann endlich
ihren Traum so leben, wie sie möchte. Sie lernt den erfolglosen Maler
Esmé (Michael Fassbender) kennen und heiratet ihn, seine Schwester Nora
(Lucy Russell), eine gescheiterte Schriftstellerin, wird zu Angels
Sekretärin und zu dritt leben sie im „Paradise“ - bis der erste
Weltkrieg ausbricht und langsam aber sicher Angels Traumwelt zerbricht.
Francois Ozons neuester Langfilm ist eine Hommage an das klassische
Hollywoodkino a la Vincente Minelli und Douglas Sirk. Prachtvolle
Kulissen, ausgefallene Kleider und eine pompöse Aufmachung stehen ganz
im Gegensatz zu seinen früheren Filmen, die auf diesen Glanz verzichtet
haben. Es regiert der Hang zum Überschwang, man möchte eigentlich
sagen, zum Kitsch (fängt schon beim rosa gehaltenen Vorspann an). Im
Gegensatz zu den großen Vorbildern fehlt es Ozons Film jedoch an
inhaltlicher Tiefe und an sympathischen Charakteren. Es ist durchaus
beabsichtigt, dass Angel nicht gerade als liebenswerte Protagonistin
gezeichnet wird, doch fällt gerade so die Identifikation mit ihr
schwer. Romola Garai zieht ihre One-Woman Show beachtenswert gut ab,
doch passt sie als Ganzes einfach nicht in die „echte“ Realität.
ANGEL basiert auf dem gleichnamigen Roman von Elizabeth Taylor, der
wiederum lose an das Leben der britischen Schriftstellerin Marie
Corelli (1855-1924) anknüpft.
Mag Ozons Film noch so sehr ein Fest für Aug’ und Ohr sein (wobei
einige der Effekte, wie zum Beispiel eine Autofahrt durch London oder
Kamelreiten vor den Pyramiden so abgrundtief schlecht nach
Studioaufnahme aussehen, dass man eigentlich vermuten könnte, eine
Parodie auf das Kostümfilmgenre zu sehen), es fehlt einfach an einer
spannenden Geschichte, welche die Zuschauer über die knapp 130 Minuten
auch nur ansatzweise fesseln könnte. Wer „Aufstieg und Fall“ eines
Mitglieds der Arbeiterschicht in opulenten Bildern sehen möchte, dem
lege ich Kubricks „Barry Lyndon“ (1975) – ein Film, an den ANGEL mehr
als einmal erinnert – ans Herz. Angeblich will Ozon den Film aber fürs
Kino kürzen…
„Ein Leben wie im Traum“ – spätestens, wenn man im Kinosessel
eingeschlafen ist. Barocke Manierismen en masse stehen einem großen
schwarzen Drehbuchloch gegenüber. Ein fragwürdiges Schauspiel.
Gesamtwertung:
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Verfasser: Florian Widegger, 29.07.2007
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